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„Für mich war es sehr hilfreich, dass mein Umfeld mich getragen hat und mich so angenommen hat, wie ich mich fühlte und ohne Haare aussah. Wichtig ist auch, die direkten Angehörigen in dieser Zeit nicht zu vergessen. Auch sie leiden und haben Angst. Die wichtigste Person und größte Hilfe war meine Schwester.“Gesina, 57,
Diagnose Eierstockkrebs Oktober 2016,
Schleswig-Holstein

Vor- und Nachteile des Gentests

Risikofaktor BRCA-Mutation – sollte ich mich als direkt verwandtes Familienmitglied untersuchen lassen?

In manchen Familien erkranken auffallend viele Frauen an Brust- und/oder Eierstockkrebs. In solchen Familien können Erbfaktoren vorliegen, die diese Krebserkrankungen begünstigen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie, die aus einer solchen genetisch belasteten Familie stammt.

Etwa jeder zehnte Eierstockkrebs ist erblich bedingt. In den meisten betroffenen Familien finden sich Mutationen (Veränderungen) der Gene BRCA1 und BRCA2. BRCA ist eine Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben von „BReast“ und „CAncer“. Frauen, die eine Mutation von BRCA1 oder BRCA2 aufweisen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Brust- und/oder Eierstockkrebs zu erkranken, und oft tritt der Krebs in relativ jungen Jahren, d. h. vor dem 50. Lebensjahr, auf.

Ist meine Familie erblich belastet?

Wenn eine nahe Angehörige – z. B. Ihre Mutter oder Schwester – an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt ist, fragen Sie sich vielleicht, ob Sie selbst als Verwandte aufgrund erblicher Faktoren ein erhöhtes Risiko für Krebs haben. Folgende Fragenliste kann Hinweise geben:

Checkliste zum Risikofaktor BRCA bei Eierstockkrebs

Falls Sie eine oder mehrere Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob bei Ihnen eine genetische Beratung – z. B. in einem Kompetenzzentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs – sinnvoll wäre. Das gilt auch, wenn bei einem Ihrer Verwandten ersten Grades eine BRCA-Mutation nachgewiesen wurde.

Nicht jede Frau, die aus einer belasteten Familie stammt, trägt zwangsläufig selbst die Risikogene in sich. Und selbst wenn sie die Risikogene geerbt hat, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen, ob sie an einem erblich bedingten Krebs erkranken wird oder nicht.

Zuerst beraten lassen – dann entscheiden

Eine kompetente genetische Beratung, die nach dem Gendiagnostiggesetz vorgeschrieben ist, sollte an erster Stelle stehen, bevor Sie sich für oder gegen einen Gentest entscheiden. Würde der Test unauffällig ausfallen, wären Sie bestimmt beruhigt. Doch was wären die Konsequenzen, wenn bei Ihnen eine BRCA-Mutation nachgewiesen würde? Dann müssten Sie mit der Tatsache leben, dass Ihr Krebsrisiko erhöht ist. In diesem Fall hätten Sie die Möglichkeit, an einer intensivierten Vorsorge teilzunehmen und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt eine vorbeugende Operation bei Ihnen durchführen zu lassen. Daher ist es wichtig, dass Sie sich frühzeitig damit auseinandersetzen, welche Vor- und Nachteile Ihre Entscheidung für einen Gentest haben kann und dass Sie Ihre Entscheidung erst nach einer kompetenten Beratung treffen.

Adressen von Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs in Deutschland finden Sie hier.

Wenn Sie erblich vorbelastet sind

Falls Sie sich für den Gentest entschieden haben und bei Ihnen tatsächlich eine Genveränderung für familiären Brust- und Eierstockkrebs (BRCA1-/BRCA2-Mutation) festgestellt wurde, kann Ihr Erkrankungsrisiko für erblichen Eierstockkrebs soweit wir heute wissen nur dann gesenkt werden, wenn beide Eierstöcke und Eileiter operativ entfernt werden.

Aber auch diese Operation bietet keine hundertprozentige Sicherheit, dass Sie von dem erblich bedingten Eierstockkrebs verschont bleiben. Denn in seltenen Fällen erkranken BRCA1-/BRCA2-Mutationsträgerinnen trotz vorsorglich entfernter Eierstöcke an Bauchfellkrebs. Darüber hinaus ist das  Risiko, an einem Brustkrebs zu erkranken, ebenfalls erhöht.

Nach Ansicht von Experten sollte die vorbeugende Operation Mutationsträgerinnen angeboten werden:

  • nach abgeschlossener Familienplanung,
  • nach dem 40. Lebensjahr oder
  • 5 Jahre vor dem Alter beim Auftreten der Krebserkrankung bei der jüngsten in der Familie an Eierstockkrebs Erkrankten

Überlegen Sie sich sorgfältig, ob Sie die Operation bei sich durchführen lassen möchten. Wägen Sie die Vor- und Nachteile genau ab. Der Eingriff ist nicht mehr rückgängig zu machen.

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Quellen:

 

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