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BRCA-TEST
„Auf jeden Fall machen,
ich habe eine BRCA1-
Genmutation, und das hilft mir, weiterhin positiv zu denken, da es für mich weiterhin
gute Medikamente gibt!“
Manuela, 46,
Diagnose Eierstockkrebs Februar 2016,
Schleswig-Holstein

BRCA-Mutation: Wie läuft ein BRCA-Test ab?

Eine Mutation der BRCA-Gene ist eine von mehreren möglichen Ursachen einer homologen Rekombinationsdefizienz (HRD). Ein Gentest kann BRCA-Mutationen erkennen – und beim Eierstockkrebs das Ansprechen auf bestimmte Therapien besser vorhersagen. Auch für enge Familienangehörige der Patientin ist ein solcher Gentest in bestimmten Fällen sinnvoll. Denn eine Mutation der BRCA-Gene in der Keimbahn kann vererbt werden.

Was sind die BRCA-Gene?

Die Bezeichnung BRCA leitet sich ab aus dem englischen Wort für Brustkrebs: „BReast CAncer“. Ihren Namen erhielten die Gene von Wissenschaftlern, die in den 1990er-Jahren genetische Veranlagungen als mögliche Ursache für die Entstehung von Brustkrebs untersuchten. Die Gene BRCA und BRCA2 enthalten den genetischen Code für Eiweiße (Proteine), die eine wichtige Rolle bei der homologen Rekombinationsreparatur (HRR) spielen. Diese ist für die Reparatur von Doppelstrangbrüchen zuständig.

Mutationen in den BRCA-Genen können ein Grund dafür sein, dass die homologe Rekombinationsreparatur nicht mehr einwandfrei funktioniert. Es kommt dann zu einer homologen Rekombinationsdefizienz, kurz HRD. Die Folge: DNA-Schäden können nicht mehr fehlerfrei behoben werden und häufen sich an, Zellen können entarten. Das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, kann dadurch erhöht werden. Zu diesen Tumorarten zählt auch Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom).

BRCA-Mutation und Eierstockkrebs: Wie hoch ist das Erkrankungsrisiko?

Im Laufe des Lebens erkranken circa 4 von 10 Frauen mit einer BRCA1-Mutation und circa 1–2 von 10 Frauen mit einer BRCA2-Mutation an Eierstockkrebs.

Somit erkranken nicht alle Frauen mit einer BRCA-Mutation zwingend an Eierstockkrebs. Denn jeder Mensch besitzt von den meisten seiner Chromosomen zwei Kopien – und somit auch von den darauf vorhandenen Genen. In der Regel liegt eine BRCA-Mutation zunächst nur auf einem Chromosom vor. Erst wenn auch die zweite Kopie beschädigt ist, wird die Tumorentstehung begünstigt.

Übrigens: Eine BRCA-Mutation kann für Frauen nicht nur das Risiko erhöhen, an Eierstockkrebs zu erkranken. Die Mutation kann bei beiden Geschlechtern zudem die Entstehung von Brustkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen – und bei Männern die Entstehung von Prostatakrebs.

BRCA-Mutation: Chancen für eine zielgerichtete Therapie

Die Tatsache, dass durch eine BRCA-Mutation die Reparatur von Doppelstrangbrüchen gestört ist, kann von der modernen Medizin im Kampf gegen den Tumor genutzt werden. Insbesondere Patientinnen mit Eierstockkrebs, bei denen eine solche Genveränderung nachgewiesen werden kann, könnten von einer zielgerichteten Therapie profitieren.

Der Nachweis einer Mutation der Gene BRCA1 und BRCA2 ist mithilfe eines BRCA-Tests möglich.

Patientinnen mit Eierstockkrebs sollten sich von ihrem behandelnden Arzt beraten lassen, ob ein BRCA-Test für ihre Therapieplanung sinnvoll ist.

Das Wichtigste zum BRCA-Test: Die Fakten auf einen Blick

Wie wird der BRCA-Test durchgeführt?

Bei Patientinnen mit Eierstockkrebs kann ein BRCA-Test anhand einer Blutprobe oder einer Tumorprobe durchgeführt werden:

  • Bei einer Testung am Blut können lediglich Keimbahnmutationen festgestellt werden.
  • Mithilfe der Untersuchung am Tumor hingegen können sowohl somatische Mutationen (rein auf die Tumorzellen begrenzte Mutationen) als auch Keimbahnmutationen nachgewiesen werden. Daher können bei der Testung des Tumorgewebes mehr Patientinnen mit Eierstockkrebs ermittelt werden, die von einer zielgerichteten Therapie profitieren könnten.

Die Operation, bei welcher der Primärtumor entfernt wird, stellt den optimalen Zeitpunkt zur Bestimmung der BRCA-Mutation dar. Die Gewebeprobe, die dafür erforderlich ist, kann während der Operation entnommen werden.

Eine Testung an Blut ist sinnvoll, wenn eine BRCA-Keimbahnmutation sicher nachgewiesen werden soll. Diese erhöht das Risiko der Trägerin, an verschiedenen Krebsarten zu erkranken. Sie kann zudem an die Nachkommen weitergegeben werden. Daher wird ein solcher Gentest in bestimmten Fällen auch für enge Familienangehörige der Patientin empfohlen.

Unter welchen Voraussetzungen kann ein BRCA-Test erfolgen?

Dient der BRCA-Gentest zur Therapieplanung bei diagnostiziertem Eierstockkrebs, so kann er von jedem behandelnden Arzt in die Wege geleitet werden.

Wird der BRCA-Test am Blut durchgeführt, so fällt er unter das Gendiagnostikgesetz (GenDG). Die Durchführung erfolgt in einer speziellen Labor-Einrichtung (humangenetisches Labor oder Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs).

Bei Patientinnen sind vor dem Test am Blut eine ärztliche Aufklärung sowie nach einer angemessenen Bedenkzeit eine schriftliche Einwilligung nötig. Fällt der Gentest positiv aus, sollte eine anschließende genetische Beratung bei einem Humangenetiker erfolgen.

Soll bei gesunden Familienangehörigen ein BRCA-Test durchgeführt werden, darf dieser nur bei volljährigen Personen und nur von Fachärzten für Humangenetik sowie Ärzten mit einer speziellen Zusatzqualifikation veranlasst werden. Das Gendiagnostikgesetz schreibt vor der Testung eine genetische Beratung sowie nach einer angemessenen Bedenkzeit eine schriftliche Einwilligung der Ratsuchenden vor. Der BRCA-Test wird erst danach durchgeführt.

Wann liegt das Ergebnis vor?

Wird der BRCA-Test anhand einer Tumorprobe durchgeführt, liegt das Ergebnis in der Regel nach mehreren Tagen bis circa zwei Wochen vor.

Bei der Testung am Blut kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis der Befund vorliegt. In bestimmten Fällen kann jedoch eine besonders schnelle Untersuchung (sogenannte Fast-Track-Analyse) veranlasst werden, die circa 2 Wochen in Anspruch nimmt. Dies ist zum Beispiel möglich, wenn das Testergebnis für die Wahl der Therapie sehr zeitnah benötigt wird.

BRCA-Test: Wer übernimmt die Kosten?

Dient der Gentest der Therapieplanung werden die Kosten unter bestimmten Umständen von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Für versicherte Familienangehörige werden die Kosten eines prädiktiven (vorhersagenden) BRCA-Tests bei entsprechender Risikokonstellation ebenfalls erstattet.

Was passiert bei einem positiven Testergebnis?

Kann anhand eines BRCA-Tests eine somatische Mutation oder eine Keimbahnmutation festgestellt werden, können Patientinnen mit Eierstockkrebs möglicherweise von einer zielgerichteten Therapie profitieren.

Wurde die Mutation anhand einer Tumorprobe festgestellt, kann ein weiterer BRCA-Test am Blut sinnvoll sein. Denn nur so lässt sich sicher feststellen, ob eine Keimbahnmutation vorliegt. Ist dies der Fall, haben Patientinnen ein erhöhtes Risiko, auch an anderen Krebsarten zu erkranken – beispielsweise Brustkrebs. In diesem Fall können ausgeweitete Maßnahmen zur Früherkennung oder Vorsorge ergriffen werden. Zudem kann es sinnvoll sein, dass sich auch enge Familienmitglieder auf eine vererbbare BRCA-Keimbahnmutation testen lassen.

Tragen gesunde Familienangehörige ebenfalls eine Keimbahnmutation der BRCA-Gene in sich, haben auch sie ein erhöhtes Risiko, an bestimmten Tumorarten zu erkranken. Daher kommen auch für sie eventuell intensivierte Maßnahmen zur Früherkennung oder Vorsorge infrage.

Was ist zu tun, wenn der BRCA-Test negativ ausfällt?

Fällt der BRCA-Test am Blut negativ aus, ist dies erstmal ein Grund zur Beruhigung. Denn das bedeutet, dass keine erbliche Keimbahnmutation dieser Gene vorliegt und die Patientin kein damit verbundenes erhöhtes Risiko für weitere Krebsarten in sich trägt – und sie das Risiko somit auch nicht an ihre Nachkommen weitergeben kann.

Allerdings: Wurde der Test bislang ausschließlich anhand einer Blutprobe vorgenommen, sollte ein weiterer BRCA-Test am Tumor folgen. Denn nur so können sowohl Keimbahnmutationen als auch Mutationen, die nur im Krebsgewebe sind, erkannt werden. Bei beiden Mutationsarten kann unter bestimmten Voraussetzungen eine gezielte Therapie sinnvoll sein.

Fällt der BRCA-Test am Tumorgewebe negativ aus, kann ein HRD-Test angeraten sein. Einer HRD können neben der BRCA-Mutation auch andere Ursachen zugrunde liegen, weshalb auch ein positives HRD-Testergebnis eine wichtige Rolle in der zielgerichteten Therapie spielen kann.

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