„Für mich war es sehr
hilfreich, dass
mein Umfeld mich getragen hatund mich so angenommen
hat wie ich mich fühlte und
ohne Haare aussah.“
Gesina, 57,
Diagnose Eierstockkrebs Oktober 2016,
Schleswig-Holstein

Hilfen gegen Übelkeit, Blutarmut oder Mukositis

Was tun, wenn Nebenwirkungen auftreten?

Zytostatika richten ihre Aktivität nicht nur gegen Krebszellen, sondern auch gegen gesunde Zellen, die sich schnell teilen bzw. gegen besonders schnell wachsende Gewebe. Daher kann die Chemotherapie zu Nebenwirkungen, z. B. an den Schleimhäuten von Mund, Rachen und Verdauungstrakt, oder zu Haarausfall führen. Auch die Blutbildung im Knochenmark kann durch die Chemotherapie beeinträchtigt werden.

Haarverlust

Die Zellen der Haarwurzeln teilen sich rasch, daher werden sie durch Zytostatika oft geschädigt. Viele Patientinnen verlieren ihr Haar unter der Chemotherapie komplett, doch selbst wenn die Haare vollständig ausgefallen sind, können sie nach einiger Zeit wieder wachsen.

Patientinnen, bei denen ein Haarverlust wahrscheinlich ist, erhalten meist schon vor Beginn der Behandlung vom Arzt ein Rezept für eine Perücke. Die Krankenversicherungen übernehmen in der Regel die Kosten dafür oder leisten zumindest einen Zuschuss. Wer keine Perücke tragen möchte, kann je nach Wunsch auch zu Mützen oder Tüchern greifen.

Blutbildveränderungen

Von einer Blutarmut oder Anämie spricht man, wenn zu wenig rote Blutkörperchen (Erythrozyten) vorliegen. Eine Anämie kann durch die Krebserkrankung selbst oder durch die Therapie bedingt sein. Betroffene Patientinnen klagen oft über eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und zunehmende Müdigkeit. Die Anämie bildet sich in vielen Fällen von allein wieder zurück. Liegt eine sehr starke Leistungsminderung vor, können Bluttransfusionen oder die zusätzliche Gabe vom Wachstumsfaktor Erythropoetin helfen, der die Bildung roter Blutzellen anregt.

Wie sich die Chemotherapie auf weiße Blutkörperchen auswirkt, die für die Immunfunktion verantwortlich sind, wird während der Behandlung sorgfältig überwacht. So können die Ärzte rechtzeitig handeln, bevor das Immunsystem zu stark beeinträchtigt wird.

Nach dem Ende der Chemotherapie erholt sich das Knochenmark normalerweise innerhalb von einigen Wochen. Dauerhafte Einschränkungen sind selten.

Übelkeit

Nicht alle Zytostatika lösen Erbrechen aus, aber diese Nebenwirkung wird von den Patientinnen besonders gefürchtet. Daher erhalten Patientinnen heute bei Bedarf gleichzeitig mit der Chemotherapie Medikamente zur Unterdrückung von Übelkeit und Erbrechen. Diese wirken vorbeugend am besten und sollen daher nicht erst gegeben werden, wenn bereits Übelkeit eingetreten ist.

Entzündung der Mundschleimhaut (orale Mukositis)

Zytostatika ziehen auch die Schleimhäute in Mund, Verdauungstrakt und Genitalbereich in Mitleidenschaft. Vor allem die Mundschleimhaut kann sich unter der Chemotherapie entzünden. In leichten Fällen macht sich dies durch eine Rötung und Schwellung bemerkbar, doch in manchen Fällen bilden sich ausgeprägte Geschwüre, die sehr schmerzhaft sein können.

Wichtig sind eine gründliche, aber schonende Mundhygiene und regelmäßige Mundspülungen. Patientinnen mit Entzündungen der Mundschleimhaut erhalten zudem schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente.

Durchfall und Verstopfung

Unter einer Chemotherapie kann es immer wieder zu Durchfällen kommen, die mit Medikamenten bekämpft werden können. Wer zu Durchfällen neigt, sollte vorbeugend auf Kaffee, Alkohol, fettreiche Nahrung und stark gewürzte Speisen verzichten. Wie stark der Durchfall ist und wie lange er anhält, ist individuell verschieden und hängt u. a. von der Dauer und Dosis der Therapie ab. Etwa zwei bis drei Wochen nach Therapieende verschwinden die Symptome wieder.

Einige Patientinnen entwickeln unter der Chemotherapie eine Verstopfung, was durch Bewegungsmangel, bestimmte Medikamente, aber auch durch seelische Belastung, Angst und Sorgen ausgelöst sein kann. Vorbeugend helfen körperliche Bewegung, reichliches Trinken (etwa 2 l Flüssigkeit pro Tag) und eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Leinsamen und viel frischem Obst und Gemüse.

Nierenschädigung

Manche Chemotherapeutika wie etwa Carboplatin können die Nieren schädigen. Daher kontrollieren die Ärzte während der Chemotherapie die Nierenwerte im Blut, um im Bedarfsfall umgehend reagieren und z. B. die Dosierung der Chemotherapie anpassen zu können, falls sich die Nierenwerte ändern.

Während der Chemotherapie ist es wichtig, viel zu trinken, damit die Nieren gut durchgespült werden.

Nervenschäden

Zytostatika wie Carboplatin oder Cisplatin können zu Schädigungen an den Nerven und zu Sensibilitätsstörungen führen und Schmerzen hervorrufen. Patientinnen, die unter der Chemotherapie Missempfindungen wie Taubheitsgefühl, Brennen, Kribbeln oder Schmerzen entwickeln, sollten sich umgehend an den behandelnden Arzt wenden, damit die Chemotherapie angepasst oder abgesetzt wird.

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